Klimawandel  in Brandenburg



Wie Klimawandel lokal spürbar wird

(MOZ vom 28.12.2006)

Kreis Oder-Spree (MOZ) "Klimawandel - Zukunft oder Gegenwart?" - dieses Thema setzte der Naturschutzbeirat des Landkreises Oder-Spree auf die Tagesordnung seiner letzten Sitzung in diesem Jahr.

Dr. Jürgen Kropp, Mitarbeiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) machte mit seinen Fakten schnell klar: Das Thema macht auch vor der Region nicht halt. Die globale Klimaerwärmung führe zu kürzeren Wintern und ungleich verteilten, aber umso heftigerem Starkregen. Das PIK prognostiziert ein Rückgang der Grundwasserneubildungsrate um bis zu 40 Prozent bis zum Jahr 2040.

Max Krüger, Leiter des Amtes für Landwirtschaft, sprach über die Folgen der extremen Sommertrockenheit für die Landwirte. Erschreckend seien die auch innerhalb des Kreises schwankenden Niederschläge. Am stärksten benachteiligt seien hier die Gemeinden des Amtes Neuzelle gewesen. Als Gegenmaßnahme sieht Max Krüger die Notwendigkeit, neue Sorten zu verwenden, die den veränderten Bedingungen besser angepasst sind.

Die Wasser- und Bodenverbände beobachteten extreme Niedrigwasserstände in der Müggelspree auf der einen Seite sowie heftige Starkregenereignisse mit Überschwemmungen auf der anderen Seite. Die Geschäftsführer der Verbände, Lothar Kirmes und Thorsten Weidner, zeigten in Lichtbildvorträgen verschiedene Projekte, die der Verbesserung des Wasserrückhaltes in der Landschaft und der Vermeidung der zu starken Entwässerung dienen sollen. Favorisiert wird die Aktivierung von natürlichen Wasserspeichern in Feld und Flur.

Revierförster Ralf Hartwig warnte vor der zunehmenden Austrocknung der Waldmoore. Dem soll mit dem Moorschutzprogramm des Landes entgegengetreten werden. Für die Forstwirtschaft sei die Umwandlung reiner Nadelwaldbestände in Laubmischwald ein wichtiger Beitrag. Denn unter Laubbäumen sei die Grundwasserneubildungsrate größer und der höhere Humusanteil im Waldboden bedeute eine bessere Speicherung der Niederschläge.

Auch Martin Graef, Beiratsmitglied, beobachtet seit einigen Jahren, dass die Niedermoore im Raum Storkow aufgrund falscher Behandlung zunehmend geschädigt werden. In der Folge fordern die Grundstücksnutzer den Ausbau der Vorflut, da das Geländeniveau durch die Moorschrumpfung absinkt. Das Köllnitzer Mühlenfließ sei dieses Jahr trocken gefallen, was noch nie der Fall gewesen wäre. Senkungen des Wasserspiegels im Storkower Kanal gefährden z.B. die einmaligen Salzwiesen bei Storkow.

Naturschützer Lutz Ittermann erläuterte, wie sich bereits die Tier- und Pflanzenwelt auf die geänderten Bedingungen eingestellt haben. So blieben Graureiher und Kranich, zwei Zugvogelarten, die im Winter eigentlich unsere Region Richtung Südeuropa verlassen, öfters einfach hier.

Umweltamtsleiterin Annerose Trippens erläuterte den Vor-und Nachteil zu den Kohelendioxid-mindernden alternativen Energien. Durch die hohe finanzielle Förderung von Windkraft- und Biogasanlagen würden auch unerwünschte Effekte erzielt. Zu viele Windkraftanlagen beschädigten nach Meinung vieler Menschen das Landschaftsbild und seien auch für manche Vogelarten gefährlich. Kleine Biogasanlagen, die in den Stoffkreislauf der Landwirtschaftsbetriebe eingebunden sind, seien in Ordnung, große Anlagen verbrauchten jedoch zu viel Wasser, erzeugten aufgrund des Antransportes der Materialien aus großem Einzugsgebiet zusätzliche Verkehrsbelastung. Annerose Trippens wünschte sich diesbezüglich mehr Sensibilität in den Gemeinden, Baugebiete sollten nicht in Feuchtgebieten geplant, Regenwasser vor Ort zur Grundwasserneubildung versickert werden

Der Beiratsvorsitzende, Dr. Siegfried Schulz, beschloss die Veranstaltung mit der Mahnung, das Thema stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, und damit auch an die Schulen zu gehen.


Klimastudie


Mit Förderung durch das Potsdamer Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung erstellte das renomierte Potsdamer Institut  for CLIMATE IMPACT RESEARCH (PIK) im Jahre 1993 eine Studie zur klimatischen Entwicklung im Lande Brandenburg bis zum Jahre 2055 sowie deren Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, die Forst- und Landwirtschaft und die Ableitung erster Perspektiven.

Nach Aussage der Forscher hätten wir in  Brandenburg in den nächsten 50 Jahren mit einem Anstieg der Durchschnittstemperatur von 1,4 Grad zu rechnen haben; stürmischen Wintern sowie insgesamt einem Rückgang der Niederschlagsmengen. Dabei würde der Niederschlag vermehrt im Winter auftreten, die Sommer würden trocken und sehr sonnig und es sei im Sommer aber auch mit extremen Niederschlagsereignissen zu rechnen.
Insgesamt käme es zu extremen Strörungen des hydrologischen Kreislaufes, mit der Folge einer massiven Absenkung des Grundwasserspiegels.

Die wissenschaftliche Studie von rund 90 Seiten können Sie hier als PDF Datei herunterladen. Es finden sich neben ausführlichen Datensammlungen auch umfangreiches Kartenmaterial. Beachten Sie bitte den Umfang der Datei von ca. 4,8 MB !   DOWNLOAD



Und hier noch ein interssanter Beitrag aus der Netzzeitung vom 12.05.2006

Dicke Luft“ über der Arktis
„Arctic Haze“ schuld an Rekordluftverschmutzung mit Aerosolen und Ozon

 

Die schlimmste Luftverschmutzung über der Arktis seit Beginn der Messungen in Ny-Ålesund auf Spitzbergen haben deutsche Wissenschaftler in der vergangenen Woche beobachtet. Die Messgeräte zeigten im Vergleich zu den normalen Bedingungen extrem hohe Aerosol-Konzentrationen an. Ursache: Durch eine besondere Großwetterlage Anfang Mai erreichten große Aerosolmengen aus Osteuropa die Atmosphäre über Spitzbergen. Die sonst klare Luft über der deutsch-französischen AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund auf Spitzbergen war deutlich orange-braun gefärbt. "Die aktuelle Luftverschmutzung liegt um das Zweieinhalbfache über den Werten vom Frühjahr 2000. Als Folge erwarten wir eine deutlich höhere Erwärmung", erläutert Andreas Herber vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Auch schwedische Kollegen aus dem Institut für angewandte Umweltwissenschaften (ITM) in Ny-Ålesund registrierten bis zu fünfzig Mikrogramm Aerosol pro Kubikmeter Luft - ein Wert, der sonst an belebten Straßen in Stadtgebieten erreicht wird – und bestätigten damit die Ergebnisse der deutschen Gruppe. Parallel verkündete das Norwegische Institut für Luftverschmutzung (NILU) extrem hohe Werte für Ozon in Bodennähe. Mit über 160 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter wurde dort die höchste Konzentration seit Einrichtung der Station im Jahre 1989 ermittelt.

Ursache für den diesjährigen Luftverschmutzungs-Rekord ist nach Angaben der Wissenschaftler eine besondere Wetterlage. Dadurch gelangten große Mengen der verschmutzten Luft aus Osteuropa in die sonst sehr saubere Arktis. Eine erhöhte Aerosolkonzentration wurde auch in den vergangenen Jahren jeweils im Frühjahr über der Arktis registriert. Dieses als "Arctic Haze" bezeichnete Phänomen war allerdings in diesem Jahr so stark wie noch nie ausgeprägt.

Beginn eines Trends?

Aerosole sind kleine Partikel in der Atmosphäre. Sie können flüssig oder fest sein und dienen als Kondensationskeime für die Wolkenbildung. Weiterhin können sie das Sonnenlicht streuen oder absorbieren. Diese Eigenschaften machen Sie zu wichtigen Einflussfaktoren für das Klimasystem.
Seit 1991 messen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts regelmäßig die Aerosolmenge in der Atmosphäre über Spitzbergen. In den letzten Jahren durchgeführte Messungen mit den Flugzeugen des Alfred-Wegener-Instituts dienen der weiteren Erforschung der Klimawirkung von Aerosolen.
"Ob wir hier den Beginn eines Trends sehen, können wir erst durch die Fortsetzung der begonnenen Messungen erkennen", kommentiert Herber die aktuellen Ergebnisse. Nun untersuchen die Wissenschaftler genauer den Ursprung und die chemische Zusammensetzung der Aerosole.

Die AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund wird gemeinsam vom deutschen Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem französischen Institut Polaire Paul Emile Victor (IPEV) betrieben. Es besteht aus der deutschen Koldewey- und der französischen Rabot-Forschungsstation.

 

(idw - Alfred-Wegener-Institut (AWI), 12.05.2006 - DLO)